Chronik des MGV St. Michael

Der Männergesangsverein St. Michael in Oberstmk. wurde am 25. Juli 1900 im Gasthof Eberhard gegründet. Gründer waren die Sänger des seit 1893 bestehenden Gesangclubs „Männerchor St. Michael“.

Aus dem Rückblick auf den seit 1893 bestehenden Gesangclub durch dessen Obmann, Herrn Heinrich Kschir, entnehmen wir:

Der Gesangclub „Männerchor St. Michael“ ist auf Initiative der Gründer:

 

Franz Jank, Gemeindevorstand und Großgrundbesitzer in Brunn

Dr. Johann Pfanner, prakt. Arzt

Josef Scharfer, Realitätenbesitzer

Franz Jenull, Berg- und Hüttenbeamter

Josef Bartosch, akad. Maler

Cesar Marzolli, Maurermeister

Franz Steinrießer, Gemeindesekretär

Emmerich Hyden, Oberlehrer

Franz Illeg, Lehrer

Josef Pölltl, Lehrer und

Franz Klinger, Maler

 

entstanden.

 

Diese Männer hatten schon eine rege Tätigkeit aufzuweisen. So gab es z.B. im Jahre 1895 eine „Sängerkrieg“ in Traboch, aus dem der Verein als Sieger hervorging. Liedertafeln und Silvesterfeier wurde abgehalten.

Der Kassier, Herr Franz Kemetmüller, hat die Vereinskasse mit 246 Kr 3h dem neuen Verein übergeben.

Namhafte Persönlichkeiten des Ortes lenkten späterhin die Geschicke des Vereines, der als bald ein reiches gesangliches Leben entfaltete. Viele Menschen haben führend und dienend in guten und bösen Tagen für die Ideale und Ziele des Vereines gewirkt. Es ist im Rahmen dieser kurzgefassten Geschichte nicht möglich, alle Namen zu nennen und sich aller dankbar zu erinnern.

Der Verein entwickelte in den folgenden Jahren eine sehr rege kulturelle Tätigkeit. So gestaltete sich die Fahnenweihe am 7. Juli 1901 zu einem Fest für den ganzen Ort.

Es schreibt die Obersteirische Volkszeitung am 13. Juni 1901:

Es dürfte wohl zu den Seltenheiten gehören, dass in einem so kleinen Ort wie St. Michael ein Männergesangsverein entstehen und sich erhalten kann. Aber es ist möglich, wenn Lust und Liebe zum deutschen Sang die Einheit stählt.

Unter Solchen Umständen konnte der dortige Männergesangsverein am 7. Juli 1901 das freudige Fest seiner Fahnenenthüllung begehen. Es waren erschienen: der Männergesangsverein „Flugrad“ Leoben, der MGV-Trofaiach, Knittelfeld, Judenburg, Mautern, Mürzzuschlag, Rottenmann und „Eisenblüte“ Donawitz.

 

Mit besonderer Freude und großem Jubel wurde die Bannerabordnung des Steirischen Sängerbundes mit ihrem Bundesobmann, Herrn Viktor Ritter von Schmeidel, begrüßt. Der lange Festzug in den Ort wurde von Herrn Werksdirektor Ferd. Herkner als Festreiter eröffnet. Es folgten die Leobner Stadtkapelle und die Vereine mit ihren Fahnen. Dazwischen wurden die geschmückten Festwagen mit Fahnenpatin und Festjungfrauen platziert. Reicher Blumenregen begrünte die Sänger. Auf der Festtribüne nahmen die Fahnenpatin und Ehrengäste Platz und zu Beginn der Feier begrüßte alle Erschienenen der Gemeindevorstand Herr Franz Jank. Hierauf dankte der Obmann des Gesangsvereines, Herr Heinrich Kschir, der Fahnenpatin und den Damen von St. Michael für ihre namhaften Spenden zur Anschaffung der Fahne und bat die Fahnenpatin, die Fahne zu enthüllen. Frau Maria Haardt betonte in ihrer Ansprache, es als große Ehre zu betrachten, Fahnenpatin des Männergesangsvereines zu sein.

 

In den folgenden Jahren bis zum 1. Weltkrieg wurde mit Begeisterung und Freude gesungen.

 

Der Männergesangsverein bereicherte mit seiner Tätigkeit das kulturelle Geschehen in der Gemeinde sehr.

 

Die Obmänner bis zum Jahre 1914 waren:

 

Johann Weißenböck 1900

Heinrich Kschir 1901

Alois Forthin 1902/03

Rudolf Maier 1904

Franz Steinrießer 1905

Arthur Bleibtreu 1906/08

Franz Jenull 1909/10

Felix Juritsch 1910/14

 

Unser Männergesangsverein, der während des Weltkrieges seine Tätigkeit einstellen musste, nach dem fast die gesamte Mitgliedschaft in den Krieg ziehen musste, trat am 18. Mai 1919 mit einer Frühjahrs-Liedertafel im Gasthof Eberhard, die einen Massenbesuch aufzuweisen hatte, wieder vor die Öffentlichkeit. Am 6. Jänner 1920 starb leider der Langjährige Obmann, Herr Felix Juritsch, Schneidermeister, im 50. Lebensjahr.

 

Neuer Obmann wurde Herr Stuchetz.

 

Die Höhepunkte der zahlreichen Veranstaltungen waren die Teilnahme an den gesamtdeutschen Sängerbundesfesten 1927 in Wien und 193 in Breslau.

 

Aber gleich nach dem Krieg waren wieder sangesfreudige Männer da, um den Gesangsverein wieder aufzubauen.

 

Große Verdienste gebühren dafür den Herren Alois Pinl, Ernst Ortner, Franz Schweifer, Fritz Wenzl und Sepp Eberhard.

 

Neben vielen Aufführungen konnte der Verein 1950 sein 50-jähriges Bestandsfest feiern. Der Höhepunkt dieser Zeit war auch die Teilnahme am Sänger-Bundesfest 1957 in Wien.

 

Ab dem Jahre 1975 übernahm unser Ehrenmitglied Karl Eder die Führung des Vereines und wurde das 75-jährige Bestandsfest gefeiert. Ihm und dem damaligen Chorleiter Vinzenz Pichler ist es zu danken, dass der MGV seine Aktivitäten verstärkt fortsetzen konnte. Sind doch während der 9-jährigen Obmannschaft Karl Eder’s viele sangesfreudige Männer dem Verein beigetreten.

 

1983 wurde das Bezirkssingen des Steirischen Sängerbundes unter Mitwirkung von 12 Vereinen mit 350 Sängern im neuen Volkshaus St. Michael veranstaltet und zwar im Rahmen der Markterhebungsfeierlichkeiten unseres Ortes.

 

Die Obersteirische Zeitung schrieb von einem „großartigen musikalischen Ereignis“, dem rund 800 bis 900 Besucher Beifall zollten. Der damalige Festobmann Rudolf Brunner wurde 1984 zum neuen Obmann des Vereines gewählt.

 

Nachdem unser Chorleiter Vinzenz Pichler, Träger der Viktor-Zack-Medaille, nach 30-jähriger Chorleitertätigkeit und über 55-jährigen Sängertätigkeit in den wohlverdienten Ruhestand trat, wurde auch die Stelle eines Chorleiters frei. Dazu konnte unser Sangesbruder Viktor Fresner gewonnen werden.

 

Chorleiter Vinzenz Pichler wird zum Ehrenchorleiter und der aus gesundheitlichen Gründen zurückgetretene Obmann Karl Eder zum Ehrenmitglied ernannt.

 

Zur 85-Jahr-Bestandsfeier haben wir die Ehre, dass die Jahreshauptversammlung des Steirischen Sängerbundes in unserem Volkshaus abgehalten wird.

 

Unsere schöne Fahne bedarf einer Renovierung!

Ich dankenswerter Weise haben die Fahnenpatenschaft die Damen

 

Frau Liesl Eder

Frau Olga Hudolin

Frau Sonja Jungwirth

Frau Inge Mohri-Eberhard

Frau Anni Schuster und

Frau Rosa Wassner

übernommen.

 

Unser 90-jähriges Bestehen feierten wir mit einem 3-Tage-Fest. 16 Gastvereine gaben uns die Ehre bei dieser gelungenen Veranstaltung.

 

Aus unseren Reihen bildet sich auch ein Doppelquartett, das selbständig, aber auch im Rahmen von Veranstaltungen des MGV, erfolgreich auftritt.

 

In den letzten 10 Jahren ist der MGV nun schon sehr gefordert. In manchem Jahr hatten wir 15 bis 20 öffentliche Auftritte. Das benötigte Liedgut dafür zu erlernen, war nur durch viel Freude am Singen und viel Arbeit durch den Chorleiter Viktor Fresner möglich. Ihm gebührt unser größter Dank! Vom Beginn seiner Tätigkeit im Jahre 1984 an ist er bemüht, im Sinne seiner Vorgänger, das Volkslied weiterhin zu pflegen und zu erhalten. Er steht aber auch „neuen Liedern“ sehr aufgeschlossen gegenüber.

 

100 Jahre sind eine lange Zeit. Viel hat sich da verändert und in Zukunft wird sich noch viel verändern. Jedoch die Freude am Singen wird bleiben!

 

Die Begeisterung aus den eigenen Reihen bildet das Fundament für eine erfolgreiche Zukunft des Männergesangsvereines St. Michael.

 

Freude am Singen und an der geselligen Gemeinschaft soll auch weiterhin unser Motto sein!

 

Der Chronist

Josef Eigner

 

Seit 2000 wird die Chronik von Dr. Franz Künstner geführt.